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Jeder Schimpanse kennt den Unterschied zwischen Spiel und tödlicher Realität. Wenn Schimpansen spielerisch umhertollen oder sich auf Leben und Tod Kämpfe liefern, wissen sie genau den Unterschied. Jeder, der behauptet Killerspiele fördert Gewaltbereitschaft, sagt auch unsere Kinder sind dümmer als Schimpansen. Kinder stimmt im Grunde genommen auch nicht. Vgl. http://www.theaveragegamer.com/averagegamers/
bzw. ich 35 Jahre alt.
Nur weil ich schon 2000 "Headshots" diese Woche geleistet habe, greife ich nicht zum Sturmgewehr und laufe Amok.

Das Problem sind nicht die Medien, sondern die Zeit, die mit ihnen verbracht wird. Wenn Eltern ihre Kinder 3h/Tag an den Computer lassen, ohne zu Wissen was gemacht wird. Inkl. DVD und TV noch dazu, wird das sehr wohl zu "Formung" des Charakters beitragen.

Killerspiele ist ein Unwort. Denn wo sind Killerbücher, Killervideos, KillerDVDs, Killerinternet, Killernachrichten und Killermusik?

Für alle Eltern, die MIT ihren Kindern MITreden und MIThalten wollen empfehle ich das informative und kulturell hochwertige Spielemagazin GEE http://geemag.de
An grösseren Kiosks monatlich erhältlich!
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Was bringt ein Verbot von sogenannten "Killerspielen?"
Hier ein Beispiel: Das Spiel Counterstrike Source, welches in den medien als ober-killergame dargestellt wird
Das Spiel ist meines wissens nach so in etwa auf jedem pc eines jüngeren menschen drauf, ich kenne fast niemanden ders nie gespielt hat. Das Spiel ist auch längst nicht mehr im Handel erhältlich, die Verbreitung findet vollständig im Internet statt. Auf grösstenteils illegalen Wegen besorgen sich die Spieler das Spiel über das internet.
Deshalb frage ich mich, was ein Verbot von "Killerspielen" überhaupt bringen soll, da es mit normalen Verkaufsverboten schlicht und einfach nutzlos ist!
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7 Kommentare
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Wie siehst du denn im Nachhinein den Einfluss, respektive die Wirkung dieses Spiels auf dich damals? Kannst du etwas dazu sagen? Wäre interessant zu erfahren.
Elisa Schlup 29. Juli 2009 Verstoss melden
Bin davon überzeugt, dass ich mich durch das spielen, in anderen Sachen besser konzentrieren konnte, durch die Strategiespiele ist man ständig gefordert und gewühnt sich auch daran. Denke, das spielen hat mich mehrheitlich auch gefördert, trotzdem muss ich gestehen, dass ich in dieser Zeit auch kaum Kontakt zu meinen Freunden hatte. Das hat sich aber danach wieder "ausgeglichen".
Christian Vogt - BDP 21. August 2009 Verstoss melden
Was ist denn aus Dir geworden? ;-D
Bruno Habegger - kandidiert für Grossrat Bern, GLP 5. September 2009 Verstoss melden
Davon abgesehen fördern sogar "Killerspiele" die Koordination, die Feinmotorik, das räumliche Vorstellungsvermögen, Kreativität und sicherlich noch einige andere Dinge... Das widerspiegelt zumindest meine Erfahrung und Erfahrungsberichte, die unlängst via National Geographic ausgestrahlt wurden (wenn ich den Link finde, liefere ich den selbstverständlich nach!)
Adrian Zehnder 8. September 2009 Verstoss melden
Dieser Link würde mich sehr interessieren, Adrian - hast du ihn mittlerweile gefunden?
Elisa Schlup 9. November 2009 Verstoss melden
ich muss gestehen, dass ich nicht mehr nach dem link gesucht habe. werde das aber nachholen... exgüsi
Adrian Zehnder 9. November 2009 Verstoss melden
Ich spiele seit 25 Jahren Computerspiele und habe es auch zu etwas gebracht, ich bin stolz auf mich und meine Leistung...
Reto Spinnler - kandidiert für Grossrat Bern, Piraten vor etwa 19 Stunden Verstoss melden
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Die Befürworter eines Verbotes behaupten, dass die sogenannten "Killerspiele" eine kausale Voraussetzung für Amokläufe jugendlicher Täter darstellen. Die Rechtfertigung eines solchen Verbotes bestehe im Interesse an einem wirksamen Jugendschutz und - ohne, dass dies aber in der Regel explizit erwähnt würde - dem Schutz der Allgemeinheit vor den Jugendlichen.

Wissenschaftlich gesehen ist der angeblich kausale Zusammenhang zwischen dem Medienkonsum der Jugendlichen und einer Gewalttat aber alles andere als erwiesen. Die Diskussion darüber lenkt vielmehr von den eigentlichen Problemen ab und verhindert eine Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Ursachen. Nur schon deshalb ist die "Killerspiel-Debatte" grundsätzlich verfehlt.

Den Tätern sind vorderhand soziale und psychische Probleme gemeinsam, und regelmässig sind diese Probleme bereits bekannt oder gar aktenkundig. Die Täter hatten freien oder aber unbeaufsichtigten Zugang zu Waffen. Und auch wenn in einigen Fällen im Nachhinein "einschlägige" Computerspiele im Besitz der Täter gefunden werden - nicht einmal die selbstregulierte Spieleindustrie will solche Spiele an Jugendliche verkaufen und empfiehlt den Verkauf unübersehbar nur an Erwachsene. Angesprochen sind damit die erziehungsverpflichteten Eltern und der Handel.

Wer vor diesem Hintergrund die Verantwortung für Amokläufe und neuerdings auch ganz allgemein für Gewalttaten Jugendlicher noch allen Ernstes auf Computerspiele schieben will, betreibt keine Politik, sondern Demagogie.
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Bitte weiterleiten an alle Kollegen und Kolleginnen, Gamer und Gamerinnen und an all jene, die am Donnerstag an einer coolen Aktion mitmachen wollen!

FlashMob auf dem Bundesplatz: Dance the Robot-Dance!

Wir mobilisieren uns gegen die Politik, die Games verbieten will! Komm an den FlashMob diesen Donnerstag, 18. März, von 12.45 bis 12.50 Uhr!

http://informieren-statt-verbieten.ning.com/
Christoph Musy vor 3 Tagen Verstoss melden
Mein Spruch dazu: "Früher Rock'n'Roll... heute Computerspiele"
Der Jugend gegenüber aufgeschlossene ältere Menschen, die ich deshalb sehr schätze und achte, mach ich mit diesem einfachen Spruch bewusst, dass nicht alles was neu und auf den ersten Blick erschrecken ist, für mündige Erwachsene verboten werden muss.
Reto Spinnler - kandidiert für Grossrat Bern, Piraten vor etwa 19 Stunden Verstoss melden
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Wenn man ein Totalverbot ablehnt (weil es eh nicht durchsetzbar ist), kann man dann die staatlich für gewaltfördernd befundenen Videospiele etwa nur noch in öffentlich überwachten Institutionen unter Vorlage eines Altersnachweises spielen?

Ich finde das ist wieder einmal ein grosser Papiertiger, der nicht beissen wird.
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Ich versuche eine Antwort auf Ihre Frage zu geben:
Schritt für Schritt....
zuerst das Verbot, dann das Strafmass (es gibt Politiker die von 3 Monaten Zuchthaus für fehlbare Eltern sprechen), dann die Kontrollbehörde oder weniger nett formuliert den Überwachungsstaat, dann wird mann die Zensur des Internets in der Schweiz fordern und irgendeinmal wird Kasperli als gewalttätiger Haudrauf bezichtigt und deshalb auf Kinderkassetten verboten... die wäre so in etwa das "Worst Case"-Szenario... oder die lineare Interpolation dessen, was derzeit läuft.
Reto Spinnler - kandidiert für Grossrat Bern, Piraten vor etwa 19 Stunden Verstoss melden
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Die Wurzeln liegen viel tiefer in der Zeit. Das Thema ist die medial verfügbare Gewalt, die seit dem Aufkommen der Bildmedien im letzten Jahrhundert Gewalt physisch und psychisch spürbarer macht. Die Gewalt in der Tagesschau weist eine andere Qualität als diejenige in den Games auf. Trotzdem trägt auch sie seit Jahrzehnten ihren Teil dazu bei, die Gehirne abstumpfen zu lassen.

Wobei auch das kein neues Phänomen ist, siehe die letzten beiden Weltkriege. Damals handelte es sich allerdings um instituationalisiertes, politisch genutztes Gewaltpotential (das der Mensch sowieso aufweist). Neu ist, dass Gewalt apolitisch ausgeübt wird, dass der Hooliganismus in den Köpfen der "Normalos" angekommen ist.
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Möchte dazu noch egänzen, dass die echten Konflikte wie Kriege und grosse Naturkatastrophen die Menschheitsgeschichte am Meisten geprägt haben. Ein Beispiel vor dem 1. / 2. WK: während und nach der Pest veränderte sich die Beziehung zwischen Mensch und Tod drastisch, was in den Kulturgütern dieser Zeit seinen Ausdruck fand, Stichwort "Totentanz"...
Heute sprechen wir vom "dunkeln Mittelalter"....
Reto Spinnler - kandidiert für Grossrat Bern, Piraten vor etwa 19 Stunden Verstoss melden
Interessanter Gedanke. Dann wäre Kriegsspiele nur so etwas wie in moderner Totentanz, eine gesellschaftliche Verarbeitung des Unglücks.
Bruno Habegger - kandidiert für Grossrat Bern, GLP vor etwa 19 Stunden Verstoss melden
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4 Kommentare
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Dieses Anliegen alles andere als ein rein linkes Anliegen. Es gibt rechts wie links Gegner und Befürworter.
David H - Piraten 18. Juli 2009 Verstoss melden
Das Verbot ist sowieso nutzlos. Wer solche Spiele haben will, lädt sie einfach irgendwo im internet herunter, verbot hin oder her. Manche politiker sind sogar zu blind, dies einzusehen.
Marco Soldati 7. August 2009 Verstoss melden
Ich musste meine Meinung leider ändern. Siehe oben.
Peter Müller 2. September 2009 Verstoss melden
Die Abstimmungen im Nationa- und Ständerat haben gezeigt, VERBOTITIS ist ein Virus, der von rechts bis links seine Opfer gefunden hat...
;-)
Reto Spinnler - kandidiert für Grossrat Bern, Piraten vor etwa 20 Stunden Verstoss melden
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Vieles wurde bereits gesagt und die 8% haben mich wirklich erstaunt. Nun, auch wenn es 100% wären, würde das einen Einfluss von Gewaltspielen nicht bestätigen.

Es ist doch einfach sehr wahrscheinlich, dass ein gewaltbereiter Mensch auch dazu tendiert gewaltverherrlichende Spiele, aggresive Musik usw. zu konsumieren.
Ein emotionaler Mensch wird wohl eher ruhige Musik hören, Liebesfilme mögen usw. Aber keiner würde je auf die Idee kommen zu behaupten, Liebesfilme oder ruhige Musik führten zu einer Emotionalisierung des Menschen.

Mir hat besonders der Beitrag gefallen, in dem die taktische Seite der Spiele betont wird. Ich selbst spiele ab und zu solche Spiele (Multiplayer online, Team gegen Team, Ziel: mehr "kills"). Das Ziel des Einzelnen ist im Grunde das "Töten", das stimmt. Aber einiges wichtiger ist das taktische Können, die Integration im Team, das Zusammenspiel. Es geht nicht Primär um den einzelnen "Mord". Es geht um die Summe aller Spielhandlungen die ein Team zum Sieg führt.

Von der moralischen Seite her lässt sich ein gespielter "Krieg", ob nun virtuell oder real (Paintball), nicht legitimieren, das ist offensichtlich. Da unterscheiden sich Spiele aber nicht von Filmen und Büchern, die von Kriegen handeln und zur Unterhaltung dienen. Das gilt auch für andere dargestellte Gewalt.

Am wichtigsten ist wohl der Jugendschutz. Dieser ist besser gewährleistet, wenn die Spiele legal aber unter Kontrolle sind.
Wie bereits gesagt wurde ist es realitätsfern zu denken, ein Verbot würde die Spiele aus der Schweiz verbannen.
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Tobias, Super Beitrag - ich bin absolut deiner Meinung. Und da wären da noch die Eltern und deren Erziehung. Ich glaube auch, dass wer ernsthaft sich mit all diesen Versuchungen von Spielen auseinandersetzt auch ein gutes Mass an Einschätzung und Vorbeugung treffen kann. Ich bin zudem überzeugt, dass Kinder, die diese Grenzen auch kennen und verstehen, andere Games auswählen oder Gewalt in Games entsprechend einzuschätzen wissen. Oder ganz einfach besser damit umgehen können.
Peter Schüpbach 20. Juli 2009 Verstoss melden
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"Sehr geehrte Frau Allemann,

Sie werden diese Mail wohl kaum lesen, aber ich schreibe sie trotzdem, denn die Ereignisse fordern mir einfach irgendeine Reaktion ab, mag diese auch nur eine machtlose Geste sein.

Die Wahlen 2007 waren die ersten eidgenössischen Wahlen, an denen ich mich beteiligen durfte, und ich habe Ihnen meine Stimme gegeben - dies ermächtigt mich nicht, Sie zu kritisieren, soll aber zeigen, dass ich Sie als Politikerin stets ernst genommen habe und mir einiges von Ihrer Tätigkeit im Nationalrat versprach.

Nun haben Sie eine Motion mit dem Titel "Verbot von Killerspielen" eingereicht, die leider angenommen wurde. Allein die Verwendung des absurden Begriffs "Killerspiele", der primär von den Boulevardmedien inauguriert wurde und für den keine stringente Definition existiert, verrät Ihre komplette Ahnungslosigkeit auf diesem Gebiet. Medienwissenschaftler wie Dr. Tilo Hartmann lehnen diesen Begriff als unsachlich und suggestiv ab, und ich erwarte von einem Motionstext ebenfalls eine differenziertere Formulierung. Ganz grundsätzlich halte ich es jedenfalls für eine Ungeheuerlichkeit, dass mein harmloses Hobby, das von Millionen anderen auf diesem Planeten gepflegt wird und an das eine sehr profitable Industrie gekoppelt ist, im Nationalrat in der Diskussion über das verschärfte Strafrecht quasi im gleichen Atemzug mit Pädophilie und Kinderpornokonsum genannt wurde. Sie sollten sich vielleicht mal Gedanken darüber machen, wie viele junge WählerInnen Sie mit einem solchen Vorgehen vor den Kopf stossen.

In Ihrer Motion schreiben Sie, dass in "neueren Studien [...] ein zunehmender empirischer Zusammenhang zwischen gewalttätigem Verhalten und dem Konsum von so genannten 'Killerspielen' ausgewiesen" werde. Diese "neueren Studien" möchte ich allzu gerne einmal zu Gesicht bekommen. Nach allem, was mir bekannt ist, gibt es in der Forschung zwar gewisse Erkenntnisse über die kurz- und langfristigen Wirkungen exzessiven Computerspielkonsums auf die Psyche, aber ein Kausalzusammenhang zwischen dem Genuss solcher Games und gewalttätigem Verhalten konnte noch nicht nachgewiesen werden. Frau Allemann, ich bin durchaus in der Lage, mein Hobby auch kritisch zu betrachten. Jedem ist klar, dass der übermässige Genuss gewalthaltiger Spiele nicht gerade förderlich auf die Psyche eines Menschen wirkt, erst recht wenn beim Konsumenten eventuell bereits ein Gefährdungsrisiko besteht. Was ich Ihnen vorwerfe, ist Ihre leichtfertige Konstruktion einer Kausalität: Sie gehen davon aus, dass gewalthaltige Spiele die "Bereitschaft" zu gewalttätigen Akten "verstärken". Dies ist keinesfalls erwiesen, und die Tatsache, dass Millionen Menschen täglich solche Spiele konsumieren ohne jemals auffällig zu werden, spricht Bände. Es mag sein, dass einige problematische Jugendliche verlernt haben, zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden, doch wo liegt der Grund für diese pathologische Unfähigkeit? Sicherlich nicht bei den Medien, sicherlich nicht bei schlimmen Games, sondern da draussen, in der wirklichen Welt. Dieter Baacke, der Begründer der Medienpädagogik, drückte dies sehr eloquent aus: “Auch die medienpädagogische Debatte verweist (mit Recht) darauf, dass nicht die Medien die Verursacher sozialer Probleme sind, sondern diese im realen Erlebnisraum sich konstituieren und über Medien verstärkt, auch beeinflusst oder sonstwie mitorganisiert, aber nicht generiert werden.” Gerade von Ihnen als Sozialdemokratin erwarte ich eine erhöhte Sensibilität für die ursächlichen sozialen Faktoren aggressivitätssteigernder Verwahrlosung. Computerspiele sind in diesem Panoptikum von Integrationsschwierigkeiten, Perspektivlosigkeit, Druck in Schule, Job und Lehre, Mobbing und Familienproblemen doch nur ein winziges und eben keineswegs ursächliches Puzzlestück. Sie entscheiden sich aber, ausgerechnet dieses winzige Puzzlestück in den Fokus zu nehmen, weil dieses Vorgehen halt den Weg des geringsten Widerstands darstellt. Dies ist, gelinde gesagt, enttäuschend.

Frau Allemann, ich habe Sie nicht gewählt, um mich von Ihnen erziehen und über "korrekten" Medienkonsum unterrichten zu lassen. Mit Ihrem Tun im Parlament suggerieren Sie mir und meinen computerspielenden Freunden, dass wir im Grunde Dummköpfe sind, die tendenziell nicht zwischen Fiktion und Realität unterscheiden können und sowieso nur "Schund" konsumieren, der keinen kulturellen Schutz verdient. Bei einem Konsumenten anderer Formen fiktionaler Unterhaltung und Kunst wie Literatur oder Theater würden Sie wohl kaum von der Prämisse einer derart verqueren und pathologischen Rezeptionshaltung ausgehen, was nur zeigt, wie unglaublich arrogant Sie hier mit einem noch relativ jungen Medium umspringen. Ich jedenfalls bin ein ganz normaler Germanistikstudent, der nicht nur Goethe, Mann und Kafka liest, sondern auch gerne und oft am Computer Heere befehligt und Bösewichte erschiesst und im Übrigen gute Noten schreibt, und ich verwahre mich dagegen, von Ihnen und anderen ParlamentarierInnen unter Generalverdacht gestellt und über meine Freizeitgestaltung belehrt zu werden.

Dass ausgerechnet eine junge SP-Politikerin einem neuen Medium mit einer engstirnigen Verbots- und Repressionshaltung begegnet, ist einfach nur schockierend. Computerspiele bilden ein vollkommen selbstverständliches Element in der Freizeitgestaltung so gut wie aller jungen Menschen, die mir bekannt sind – mit einem Verbot werden Sie bei vielen Leuten, die Sie gewählt und die ihre Hoffnungen in Sie gesetzt haben, nur Kopfschütteln und Ablehnung hervorrufen. Bedenken Sie bitte auch, dass ein solches Verbot nicht einmal praktikabel ist, denn jedes Game ist über Importwege oder illegales Downloaden ganz einfach zu beschaffen. Statt also mit kurzsichtigem repressivem Aktionismus zu argumentieren und zu handeln – wie Sie es leider getan haben –, sollten Sie besser eine Diskussion über Medienkompetenz in Gang bringen. Und sich vermehrt über die wahren Gründe für aggressives Verhalten unter Jugendlichen Gedanken machen, denn ich versichere Ihnen, die Schuld liegt nicht bei irgendwelchen fiktionalen Erzeugnissen, sondern bei höchst realen Nöten und Ängsten.

Mit freundlichen Grüssen,

JR"

Überraschenderweise kam dann tatsächlich einige Wochen später eine Antwort. Diese hat mich zwar auch enttäuscht, aber allein die Tatsache, dass Frau Allemann sich Zeit genommen hat, mir zu schreiben, hat mich dann auch wieder beeindruckt (eigentlich traurig, denn das sollte eine Selbstverständlichkeit sein).

In ihrer Antwort hat sie es eher vermieden, auf meine Argumente und Fragen einzugehen. Naja. Ich habe dann noch einmal zurückgeschrieben und rechne nicht damit, dass eine weitere Antwort folgen wird:

"Sehr geehrte Frau Allemann,

dass Sie Zeit gefunden haben, auf meine Kritik ein bisschen einzugehen, hat mich überrascht und erfreut. Ich sehe schon, dass ich Sie kaum werde überzeugen können, aber immerhin haben Sie mein Mail nicht einfach ignoriert. Dafür meinen aufrichtigen Dank.

Wie gesagt, die Meinungen sind wohl gemacht, daher fasse ich mich kurz und erwähne nur einige wenige Punkte, die mir wichtig sind:

- Ihr Einsatz für ein strengeres Waffenrecht ist löblich; auch ich habe die besagte Initiative unterschrieben. Ich bin übrigens trotz meines ach so gewalttätigen Hobbys ein sehr friedlicher Zeitgenosse, habe den Militärdienst verweigert, bin Mitglied bei der GSoA und würde nie im Leben eine echte Waffe anfassen. Leider suggerieren Sie mit Ihrem gleichzeitigen "Einsatz" gegen Computerspiele, dass zwischen Waffen und Spielen eine Art Äquivalenz besteht: Ihrer Meinung nach zählen fiktionale mediale Erzeugnisse wie Computerspiele offenbar ebenso zu den "Ursachen" "grausamer Gewalt" wie real existierende und real bedrohliche Tötungswerkzeuge, also Waffen. Diese Äquivalenzbeziehung schimmert in Ihrem Mail nur sehr subtil durch, aber ich habe sie bemerkt und finde sie äusserst bedrohlich. Wie gesagt: Wenn Sie sich entscheiden, fiktionale Werke als gefährdend für mich und andere Konsumenten einzustufen, dann implizieren Sie im Grunde, dass Sie uns nicht zutrauen, zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden. Ich kann mich also im Endeffekt nur von Ihnen entmündigt fühlen und Irritation ob eines solchen parlamentarischen "Erziehungsversuchs" empfinden. Wenn Sie dagegen reale Tötungsapparaturen wie Waffen (oder auch gewisse Automobilfabrikate) als bedrohlich für mich und den Rest der Bevölkerung einstufen, dann haben Sie Recht. Ich will nicht Massnahmen zum Schutz vor Gewalt und Gefährdung gegeneinander ausspielen; ich erwarte vielmehr von Ihnen, dass Sie zwischen angebrachten und konstruktiven Massnahmen und wirkungsloser populistischer Schattenfechterei zu unterscheiden vermögen. Die Waffeninitiative ist eine intelligente und wirksame Massnahme, genau wie auch die Offroaderinitiative, aber der Kampf gegen Computerspiele ist Populismus. Dieser Populismus ist umso schädlicher, als er auf Kosten persönlicher Freiheitsrechte geht (d.h. Ihre Bemühungen beeinträchtigen meine Freiheit, meine Freizeit so zu gestalten, wie ich will). Das ist Teil einer besorgniserregenden antiliberalen Tendenz in der SP, denn Ihr aktuelles und vieldiskutiertes "Sicherheitspapier", das z.B. Videoüberwachung fordert (und wieder ein populistisches "Sicherheitsbedürfnis" gegen persönliche Freiheitsrechte ausspielt), haut in dieselbe Kerbe. Verstehen Sie denn, dass ich mich unter diesen Umständen von Ihrer Partei kaum noch vertreten fühle? Freiheits- und Persönlichkeitsrechte und Datenschutz zählen zu den wichtigsten politischen Anliegen unserer Zeit, und Ihre Partei verschläft sie! WählerInnen wie ich werden früher oder später zur "Piratenpartei" abwandern, wenn sie denn in der Schweiz auch so profiliert aufzutreten vermag wie jüngst in Schweden.

- Die Studien, die sich mit diesem Thema beschäftigen, sind recht ambivalent. Oft kommt meines Wissens nur das triviale Resultat heraus, wonach exzessiver Konsum gewalthaltiger Spiele nicht besonders gesund ist - na, wer hätte das gedacht? Andererseits spielen jeden Tag Millionen Menschen solche Spiele, ohne dass jemand ausschliesslich deswegen durchdrehen würde. Das kann man ja auch als empirische "Studie" werten, wenn man will. Übrigens: Selbst wenn gewalthaltige Computerspiele erwiesenermassen schädlich für den Konsumenten wären, würde das m.E. nicht ausreichen, um ein Verbot zu rechtfertigen. Unzählige Hobbys und Beschäftigungen, die in unserem Land nicht nur erlaubt, sondern auch in hohem Masse sozial akzeptiert sind, weisen riskante Aspekte und Gefährdungsrisiken auf.

- Ich weiss wirklich nicht, wo Sie das Unwort "Killerspiele" aus dem Mund von Gamern gehört haben wollen. Ich versichere Sie, dass niemand, der diese Spiele schätzt und kennt, sich so ausdrücken würde. Egal wie Sie weiter verfahren und egal, wie sehr Sie noch gegen dieses Medium kämpfen wollen: Bitte, bitte nehmen Sie Abstand von diesem populistischen und beleidigenden Begriff. Er gehört ohne Übertreibung zum gleichen Paradigma wie "Negermusik" oder "entartete Kunst".

Soweit meine eher assoziativen Gedanken zu Ihrem Mail. Wir werden wohl kaum einen Konsens erreichen, aber ich bin sehr froh, dass Sie sich meine Nachricht zumindest einmal durchgelesen habe. Ich wünsche Ihnen in allen Bereichen Ihrer politischen Tätigkeit ausser dem hier diskutierten viel Glück und Erfolg und verbleibe

Mit freundlichen Grüssen

JR"

Tja. Damit ist von meiner Seite leider so gut wie alles gesagt. Neue Argumente konnte ich eigentlich nicht präsentieren, aber ich hoffe, durch diesen Beitrag einen kleinen Einblick in das Denken unserer verbotsfreudigen ParlamentarierInnen vermittelt zu haben.

PS: Hallo Jörg, wie gehts? Schön Dich hier anzutreffen ;)
23 Kommentare
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Na das waren ja mal zwei sehr differenzierte Mails von Deiner Seite...und das übliche Wischiwaschi von Parlamentarierseite! Vielen Dank für die "Weiterleitung" von Evis E-Mail;-) Und nein, ich kenne auch keinen Zocker, der das Wort "Killerspiele" jemals von sich aus in den Mund genommen hätte!

Hab ürbigens erst bei ihrer Anrede "Sehr geehrter Herr Reidy" realisiert, wer denn hier am Werke war ;-)

Das "schön" kann ich nur zurückgeben...freue mich schon auf künftige Diskussionen...und wir sollten dringend mal wieder was trinken gehen :-D

Viele Grüsse
Jörg
Jörg Klenk 16. Juli 2009 Verstoss melden
Na klar, wenn ich meine Elsaghe-Arbeit überlebe (argh), melde ich mich endlich mal :)
Julian Reidy 17. Juli 2009 Verstoss melden
Danke für deinen Beitrag! Es sollten häufiger E-Mails mit solch guter Argumentation an Politiker geschrieben wereden.
Tobias Frey 17. Juli 2009 Verstoss melden
Wow, tolle Argumente, toll geschrieben.

Dies von einem 20 Jährigen, der "Killerspiele" spielt und gemäss Frau Allemann ein "Dummkopf" ist, weil er dies tut.
Claudio Claudio 4. August 2009 Verstoss melden
Hi

Hast du wohl die selbe Antwort bekommen wie ich,. Bei mir geht sie nämlich auch auf nichts ein das ich sage. Hier zu lesen.
http://farce-und-atrappe.blogspot.com/2009/07/evi-allemann-gibt-antwort.html
Santiago Daniel 25. August 2009 Verstoss melden
Danke für den Link; das ist tatsächlich in weiten Teilen die genau gleiche Antwort, die ich erhalten habe (und hier aus Gründen des Respekts und der Vorsicht nicht publizieren konnte). Unglaublich! Wenn man auf Wortmeldungen der Bürger nur mit copy & paste eingehen kann/will, sollte man es vielleicht lieber gleich bleiben lassen.
Julian Reidy 28. August 2009 Verstoss melden
Ja, ich bin absolut deiner Meinung. Ist eigentlich eine Frechheit so einen Brief zu verschicken und dafür noch fast einen Monat zu brauchen.

Ich weiss nicht ob du hesehen hast, dass ich gleich ne Antwort auf die Antwort geschrieben habe. Auf diese habe ich noch nichts bekommen. Mal sehen ob noch was kommt.

Santiago Daniel 28. August 2009 Verstoss melden
Wohl kaum. Auch ich habe ihr nochmals geschrieben, aber da ist nie mehr war gekommen.
Julian Reidy 28. August 2009 Verstoss melden
Also ich hab ne abwesenheitsmeldung bekommen. Sie sei im Urlaub bis am 4 August
Santiago Daniel 28. August 2009 Verstoss melden
Ich bin in weiten Teilen mit diesen sehr differenzierten Argumenten einverstanden. Nur etwas verstehe ich nicht: Was kann die Funktion von möglichst realistisch dargestellter - aber simulierter - Waffengewalt sein? Warum würde jemand, der pazifistisch eingestellt ist, simuliert andere Menschen töten wollen?
(Mit nicht verstehen meine ich genau das: Ich verstehe es nicht. Und nicht: Es sollte verboten werden.)
Philippe Wampfler 7. November 2009 Verstoss melden
Vielen Spielern geht es wahrscheinlich nicht mal so sehr um die realistische Darstellung, das ist eher eine Sache der Industrie, die ihre tollen neuentwickelten Grafikengines an den Mann bzw. die Frau bringen möchte (und damit nebenher den Grafikkartenverkauf der Hardwareindustrie kräftig ankurbelt). Mir persönlich gefallen etwas comichaftere Szenarien auch viel besser, ein gutes Beispiel hierfür ist das gerade erschienene "Borderlands".
Zudem geht es nicht um die Simulation einer Tötung, sondern um das Überwinden eines Hindernisses, das zwischen mir und dem nächsten Erfolg steht. Vielleicht liegt da das Problem, dass Du es nicht verstehst: Es geht nicht ums töten, sondern ums weiterkommen. Der Spieler vergegenwärtigt sich nicht, dass er gerade einen Menschen getötet hat, was ja auch völlig absurd ist, da er einen Haufen Pixel und keinen echten Menschen beschossen hat, sondern dass er dem Ende des Levels ein Stück näher gerückt ist.
Zudem stellt sich mir die Frage: Hast Du denn schonmal ausführlich (d.h. nicht Gamepad oder Maus in die Hand nehmen und nach 10min sagen: Ok, jetzt weiss ich worum es geht) einen Shooter gespielt? Wenn möglich durchgespielt? Falls nicht, kann ich Dir das nur raten, denn wie überall gilt auch hier: Man versteht nur, was man kennt. Zudem macht diese Form der Recherche auch noch grossen Spass.
Jörg Klenk 9. November 2009 Verstoss melden
Ich kann Jörg nur beipflichten. Philippe Wampflers Unverständnis verrät, dass er den "Tötungsakt" offenbar für das zentrale Element gewalthaltiger Spiele hält. Dem ist aber keineswegs so; mir fällt auf Anhieb nur ein extremes Beispiel eines Spiels ein, in dem Gewalt wirklich als Selbstzweck und mit enormem Detailreichtum inszeniert wird (Manhunt). In allen anderen mir bekannten Games ist Gewalt vielmehr Mittel zu einem bestimmten Zweck, den Jörg abstrakt als "Weiterkommen" definiert - genau so ist es! In Fallout 3 töte ich nicht, weil die Opfer lustig blutig explodieren, sondern weil ich die Story des Spiels vorantreiben und meinen Charakter weiterdefinieren will. Gewalt ist in gut gemachten Spielen nur ein (zugegebenermassen oft prominentes) Element in einer komplexen Geschichte.
Aber auch in Spielen, die kein "Weiterkommen" im wörtlichen Sinn kennen, da sie online gespielt werden und keine "Geschichte" erzählen - mein Lieblingsshooter Quake 3 wäre hier zu erwähnen - ist Gewalt mitnichten der Zweck des Spiels. Im Vordergrund steht allein das kompetitive Moment; die Motivation entsteht nicht durch die überzeichnete Gewaltdarstellung, sondern durch die Tatsache, dass jeder "Frag" einen Punkt bringt, dass man dank guter Hand-Auge-Koordination und strategischem Denken womöglich am Ende mit den meisten Punkten dastehen könnte... Ich meine, es wäre genau so absurd wie wenn man behaupten würde, dass Toreschiessen das zentralste und einzig relevante Moment des Fussballspiels sei. Natürlich muss man Tore schiessen, um ein Spiel zu gewinnen, natürlich ist das Toreschiessen ein konstitutiver Aspekt des Spiels - aber es ist eben nur ein Aspekt, und die Freude am Spiel (und um deren Rechtfertigung in Bezug auf gewalthaltige Games geht es hier) ist eben nicht allein an diesen einen Punkt gebunden.
Julian Reidy 9. November 2009 Verstoss melden
Die Game-Community äußerst sich auf unterschiedlichen Niveaus: Immer dann, wenn Sie allen Diskussionspartnern vorwirft, nicht zu wissen, wovon sie sprechen, weil sie eben keine Gamer seien, wird die Argumentation problematisch. Selbstverständlich habe ich schon solche Spiele gespielt. Es geht mir gar nicht um die Frage, »worum es geht« - sondern warum das, worum es geht, nicht ohne die Darstellung von Tötungen auskommt (ob die realistisch seien oder comichaft, ist dabei egal: Es ist uns klar, dass es sich um Simulationen oder Fiktionen handelt.).
»Strategisches Denken«, »Hand-Auge-Koordination« und so weiter in Ehren: Aber das ginge doch auch, wenn farbige Ballone zerstochen würden oder was auch immer.
Philippe Wampfler 9. November 2009 Verstoss melden
Der Vergleich mit dem Tore schiessen gefällt mir! Es würde sich vieles für einen Vergleich eignen. Schiffe versenken: will ich wirklich Schiffe versenken? Schach: will ich bauern töten? Fechten: stell ich mir vor den andern zu töten? Boxen? etc.
Tobias Frey 9. November 2009 Verstoss melden
Stimmt, das ginge auch. Wenn jemand ein Ballonzerstechspiel auf dem technischen Niveau und mit dem Spassfaktor der gängigen Multiplayershooter produziert, spiele ich das gerne! Ansonsten erreicht man den kompetitiven Reiz solcher Spiele eben am besten durch die Gestaltung eines virtuellen Todes und indem man das virtuelle Morden zum Spielziel macht (wobei dies ja auch nur eine von vielen Spielformen ist; neben dem gemeinen Deathmatch gibt es ja auch noch andere Modi wie Team Deathmatch und Capture the Flag, wo Koordination und Teamwork gefragt sind, oder Instagib, wo es wirklich nur noch um Reflexe und technisches Können geht).
Bezogen auf Spiele, die eher eine gute Singleplayererfahrung bieten wollen, ist Ihr Einwurf aber m. E. nicht besonders sinnvoll. Solche Spiele erzählen eine Geschichte, und die Geschichten, die Menschen erzählen und rezipieren sind nun mal selten frei von Gewalt. Selbst wenn man Games als Schund- oder Trivialunterhaltung begreift - und in weiten Teilen sind sie das ja auch -, ist es nicht nachvollziehbar, sie wegen dieses thematischen Fokus auf Gewalt zu kritisieren. Krimis, sowohl in Buchform als auch im Fernsehen, Comics, Trivialromane, Gangsta Rap und andere Musikgenres - auch in diesen Medien und Genres werden letzten Endes Geschichten erzählt, in denen Gewalt ungefähr gleich prominent figuriert wie in Computerspielen. Niemand muss diese Dinge mögen oder konsumieren, und jedem ist es freigestellt, sie als Trash zu bezeichnen, aber es ist schon seltsam, dass die Verbotsforderungen fast immer nur in Bezug auf Computerspiele laut werden.
Julian Reidy 9. November 2009 Verstoss melden
Ich will kein Verbot von Computerspielen - und der Hinweis, dass der Tod und die Darstellung von Gewalt offenbar ein menschliches Bedürfnis befriedigt und in einer Palette von Erzeugnissen aufgenommen wird, ist sehr richtig.
Gleichwohl ist der Konsument simulierter Täter: Wenn ich spiele, tue ich so, als töte ich Menschen. Deshalb stimmen die Vergleiche nicht; aber deshalb habe ich ein reines Verständnisproblem: Warum will jemand eine halbe Stunde lang zu Erholung oder zum Vergnügen so tun, als töte er Menschen? Und verschiedene Spielmodi oder »Weiterkommen« erklären dieses Verständnisproblem für mich nicht.
Philippe Wampfler 9. November 2009 Verstoss melden
Meine Vergleiche? Alle von mir genannten Beispiele sind simulierte Kriege oder Kämpfe in denen es um Leben und Tot oder zumindest um das Verletzen anderer geht (z.B. Boxen). Wieso soll das ein Vergnügen sein? Taktik, die Taktik die zum Sieg führt macht es aus. Genau so bei Videospielen.
Tobias Frey 9. November 2009 Verstoss melden
Nein. Niemand tut dabei so, als würde er jemand anderen töten. Symbolisch mag das mitschwingen, aber wenn ich Figuren auf einem Schachbrett bewege, tue ich nicht so, als töte ich einen Menschen. Und beim Boxen schlage ich andere Menschen und werde von ihnen geschlagen - gute Frage, warum das ein Vergnügen sein soll.
Philippe Wampfler 9. November 2009 Verstoss melden
Ich kann Ihr Argument nachvollziehen, Herr Wampfler, aber ich sehe den Unterschied zwischen den verschiedenen Medien nicht so pointiert wie Sie. Letztlich ist für mich auch der Spieler eines Games eher Konsument als Akteur; die sogenannte "Interaktivität", die ein Game angeblich von Büchern oder Filmen unterscheide (und ihn in Ihren Worten zum "simulierten Täter" mache), halte ich für eine Illusion. Ein Computerspiel funktioniert letztlich genau wie ein Buch: Es bietet eine gelenkte Erfahrung, d.h. ein Produzent (ein Programmierteam oder ein Autor) stellt Inhalte zur Verfügung, die prädeterminiert sind und die man mit gewissen limitierten Freiheiten rezipieren kann. Man hat die die Freiheit, einen Roman mit einer individuellen Rezeptionshaltung zu lesen und auszulegen, wobei diese Freiheit durch den tatsächlich haftbar zu machenden linguistischen Gehalt des Textes eingeschränkt ist. Ebenso hat man die Freiheit, ein Game mit verschiedenen Rezeptionshaltungen zu spielen, kann sich also, wenn man will, auch einfach an Gewalt ergötzen, ohne der Story Beachtung zu schenken. Und wenn man sich eben die Inhalte der meisten Spiele vergegenwärtigt, muss man feststellen, dass kaum eines Gewalt verherrlicht oder als Selbstzweck begreit. Durch bestimmte Rezeptionshaltungen lässt sich jeder mediale Inhalt pervertieren; das ist nun mal die Freiheit, die wir als Leser, Spieler und Kinogänger geniessen. Man kann einen aufwühlenden Antikriegsfilm als Gewaltporno konsumieren, oder ein Neonazi kann sich an eindringlichen Schilderungen des Holocaust ergötzen. Das ist ein Problem der Rezeption, nicht der Produktion, und deshalb muss man auch beim Rezipienten ansetzen (im Falle der Games mit einem Fokus auf die Vermittlung grösserer Medienkompetenz an Schulen und im Elternhaus).
Julian Reidy 9. November 2009 Verstoss melden
Würde ich virtuell tausende von Lebewesen ohne Grund schlachten (um den Extremfall zu wählen), wäre dies kein Problem, wenn das eine Figur tut, die ich steuere? (also keine Ego-Perspektive)
Tobias Frey 9. November 2009 Verstoss melden
Herr Reidy - das ist ein theoretisch fundierter Standpunkt (»gelenkte Erfahrung« finde ich überzeugend); auch wenn ich bezweifeln würde, dass ich das Identifikationsangebot mit der Figur, die ich steure, ablehnen kann. Die Frage, ob allerdings die Ausrichtung der Story (gewalt als Selbstzweck oder als Mittel zum Zweck) eine Einfluss auf die Beurteilung von Spielen haben sollte, würde ich verneinen. Auch in Filmen, Büchern etc. kann Gewalt Selbstzweck sein; darin liegt m.E. kein Problem.
Philippe Wampfler 9. November 2009 Verstoss melden
Wir sollten aber nicht vergessen, dass auch die Literatur und Filme voll von Identifikationsangeboten sind, die teils weitaus problematischer sind als diejenigen in Computerspielen, aber kaum als problematisch wahrgenommen werden - wohl deshalb, weil Literatur und Film sind etablierte Kunstformen sind. Wenn in Erzählungen von Thomas Mann (den ich sehr schätze!) wie "Gladius Dei" oder "Wälsungenblut" oder in Werken von Bernhard Schlink (den ich gar nicht schätze) klar antisemitische Identifikationsangebote und Anspielungen vorkommen und diese nicht einmal öffentlich reflektiert und diskutiert werden, dann ist das weitaus problematischer als die allenfalls nicht immer positiven (aber überraschend oft SEHR positiven) "role models" und Verhaltensanreize in Games. Problematische Identifikationsangebote sind, genau wie das von mir oben beschriebene problematische Rezeptionsverhalten, letztlich Gefahren, die jeder Fiktion, jedem Narrativ innewohnen, egal in welchem Medium.
Ich sehe übrigens auch kein Problem in "Gewalt als Selbstzweck" in fiktionalen Werken, aber sehr viele Menschen tun dies. Deshalb wollte ich nur darauf hinweise, dass es sich hier in Bezug auf Computerspiele um ein Vorurteil handelt.
Julian Reidy 9. November 2009 Verstoss melden
Dem kann ich nicht mehr viel hinzufügen - das kann ich unterschreiben.
Philippe Wampfler 9. November 2009 Verstoss melden
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