Wenn Killerspiele kleinste Änderungen in der Gewaltbereitschaft hervorrufen würden, wäre die Welt voll von Amokläufer (inkl. mir)!
Jeder Schimpanse kennt den Unterschied zwischen Spiel und tödlicher Realität. Wenn Schimpansen spielerisch umhertollen oder sich auf Leben und Tod Kämpfe liefern, wissen sie genau den Unterschied. Jeder, der behauptet Killerspiele fördert Gewaltbereitschaft, sagt auch unsere Kinder sind dümmer als Schimpansen. Kinder stimmt im Grunde genommen auch nicht. Vgl.
http://www.theaveragegamer.com/averagegamers/
bzw. ich 35 Jahre alt.
Nur weil ich schon 2000 "Headshots" diese Woche geleistet habe, greife ich nicht zum Sturmgewehr und laufe Amok.
Das Problem sind nicht die Medien, sondern die Zeit, die mit ihnen verbracht wird. Wenn Eltern ihre Kinder 3h/Tag an den Computer lassen, ohne zu Wissen was gemacht wird. Inkl. DVD und TV noch dazu, wird das sehr wohl zu "Formung" des Charakters beitragen.
Killerspiele ist ein Unwort. Denn wo sind Killerbücher, Killervideos, KillerDVDs, Killerinternet, Killernachrichten und Killermusik?
Für alle Eltern, die MIT ihren Kindern MITreden und MIThalten wollen empfehle ich das informative und kulturell hochwertige Spielemagazin GEE
http://geemag.de
An grösseren Kiosks monatlich erhältlich!
Thomas Lohbeck, 7. August 2009
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Was bringt ein Verbot? Illegale Downoads lassen grüssen!
Was bringt ein Verbot von sogenannten "Killerspielen?"
Hier ein Beispiel: Das Spiel Counterstrike Source, welches in den medien als ober-killergame dargestellt wird
Das Spiel ist meines wissens nach so in etwa auf jedem pc eines jüngeren menschen drauf, ich kenne fast niemanden ders nie gespielt hat. Das Spiel ist auch längst nicht mehr im Handel erhältlich, die Verbreitung findet vollständig im Internet statt. Auf grösstenteils illegalen Wegen besorgen sich die Spieler das Spiel über das internet.
Deshalb frage ich mich, was ein Verbot von "Killerspielen" überhaupt bringen soll, da es mit normalen Verkaufsverboten schlicht und einfach nutzlos ist!
Marco Soldati, 7. August 2009
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Mit Jugendschutz hat ein Verbot von "Killerspielen" nichts am Hut - nicht einmal die Spieleindustrie will diese Spiele an Jugendliche verkaufen.
Die Befürworter eines Verbotes behaupten, dass die sogenannten "Killerspiele" eine kausale Voraussetzung für Amokläufe jugendlicher Täter darstellen. Die Rechtfertigung eines solchen Verbotes bestehe im Interesse an einem wirksamen Jugendschutz und - ohne, dass dies aber in der Regel explizit erwähnt würde - dem Schutz der Allgemeinheit vor den Jugendlichen.
Wissenschaftlich gesehen ist der angeblich kausale Zusammenhang zwischen dem Medienkonsum der Jugendlichen und einer Gewalttat aber alles andere als erwiesen. Die Diskussion darüber lenkt vielmehr von den eigentlichen Problemen ab und verhindert eine Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Ursachen. Nur schon deshalb ist die "Killerspiel-Debatte" grundsätzlich verfehlt.
Den Tätern sind vorderhand soziale und psychische Probleme gemeinsam, und regelmässig sind diese Probleme bereits bekannt oder gar aktenkundig. Die Täter hatten freien oder aber unbeaufsichtigten Zugang zu Waffen. Und auch wenn in einigen Fällen im Nachhinein "einschlägige" Computerspiele im Besitz der Täter gefunden werden - nicht einmal die selbstregulierte Spieleindustrie will solche Spiele an Jugendliche verkaufen und empfiehlt den Verkauf unübersehbar nur an Erwachsene. Angesprochen sind damit die erziehungsverpflichteten Eltern und der Handel.
Wer vor diesem Hintergrund die Verantwortung für Amokläufe und neuerdings auch ganz allgemein für Gewalttaten Jugendlicher noch allen Ernstes auf Computerspiele schieben will, betreibt keine Politik, sondern Demagogie.
jf, 21. Juli 2009
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Wie wollen die Verbotsbefürworter das bloss umsetzen?!
Wenn man ein Totalverbot ablehnt (weil es eh nicht durchsetzbar ist), kann man dann die staatlich für gewaltfördernd befundenen Videospiele etwa nur noch in öffentlich überwachten Institutionen unter Vorlage eines Altersnachweises spielen?
Ich finde das ist wieder einmal ein grosser Papiertiger, der nicht beissen wird.
Raffaela Begert, 20. Juli 2009
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Die Verbotsdiskussion missachtet die Tatsache, dass wir uns mitten in einer Phase des sozialen und psychischen "Umbaus" befinden.
Die Wurzeln liegen viel tiefer in der Zeit. Das Thema ist die medial verfügbare Gewalt, die seit dem Aufkommen der Bildmedien im letzten Jahrhundert Gewalt physisch und psychisch spürbarer macht. Die Gewalt in der Tagesschau weist eine andere Qualität als diejenige in den Games auf. Trotzdem trägt auch sie seit Jahrzehnten ihren Teil dazu bei, die Gehirne abstumpfen zu lassen.
Wobei auch das kein neues Phänomen ist, siehe die letzten beiden Weltkriege. Damals handelte es sich allerdings um instituationalisiertes, politisch genutztes Gewaltpotential (das der Mensch sowieso aufweist). Neu ist, dass Gewalt apolitisch ausgeübt wird, dass der Hooliganismus in den Köpfen der "Normalos" angekommen ist.
kandidiert für Grossrat Bern, GLP, 19. Juli 2009
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Auch eine starke Korrelation zwischen Gewaltspielen und Gewaltbereitschaft würde nicht bestätigen, dass Gewaltspiele zu erhöhter Gewaltbereitschaft führen
Vieles wurde bereits gesagt und die 8% haben mich wirklich erstaunt. Nun, auch wenn es 100% wären, würde das einen Einfluss von Gewaltspielen nicht bestätigen.
Es ist doch einfach sehr wahrscheinlich, dass ein gewaltbereiter Mensch auch dazu tendiert gewaltverherrlichende Spiele, aggresive Musik usw. zu konsumieren.
Ein emotionaler Mensch wird wohl eher ruhige Musik hören, Liebesfilme mögen usw. Aber keiner würde je auf die Idee kommen zu behaupten, Liebesfilme oder ruhige Musik führten zu einer Emotionalisierung des Menschen.
Mir hat besonders der Beitrag gefallen, in dem die taktische Seite der Spiele betont wird. Ich selbst spiele ab und zu solche Spiele (Multiplayer online, Team gegen Team, Ziel: mehr "kills"). Das Ziel des Einzelnen ist im Grunde das "Töten", das stimmt. Aber einiges wichtiger ist das taktische Können, die Integration im Team, das Zusammenspiel. Es geht nicht Primär um den einzelnen "Mord". Es geht um die Summe aller Spielhandlungen die ein Team zum Sieg führt.
Von der moralischen Seite her lässt sich ein gespielter "Krieg", ob nun virtuell oder real (Paintball), nicht legitimieren, das ist offensichtlich. Da unterscheiden sich Spiele aber nicht von Filmen und Büchern, die von Kriegen handeln und zur Unterhaltung dienen. Das gilt auch für andere dargestellte Gewalt.
Am wichtigsten ist wohl der Jugendschutz. Dieser ist besser gewährleistet, wenn die Spiele legal aber unter Kontrolle sind.
Wie bereits gesagt wurde ist es realitätsfern zu denken, ein Verbot würde die Spiele aus der Schweiz verbannen.
16. Juli 2009
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Das wichtigste wurde bereits gesagt; hier nur noch eine Art Ergänzung:
"Sehr geehrte Frau Allemann,
Sie werden diese Mail wohl kaum lesen, aber ich schreibe sie trotzdem, denn die Ereignisse fordern mir einfach irgendeine Reaktion ab, mag diese auch nur eine machtlose Geste sein.
Die Wahlen 2007 waren die ersten eidgenössischen Wahlen, an denen ich mich beteiligen durfte, und ich habe Ihnen meine Stimme gegeben - dies ermächtigt mich nicht, Sie zu kritisieren, soll aber zeigen, dass ich Sie als Politikerin stets ernst genommen habe und mir einiges von Ihrer Tätigkeit im Nationalrat versprach.
Nun haben Sie eine Motion mit dem Titel "Verbot von Killerspielen" eingereicht, die leider angenommen wurde. Allein die Verwendung des absurden Begriffs "Killerspiele", der primär von den Boulevardmedien inauguriert wurde und für den keine stringente Definition existiert, verrät Ihre komplette Ahnungslosigkeit auf diesem Gebiet. Medienwissenschaftler wie Dr. Tilo Hartmann lehnen diesen Begriff als unsachlich und suggestiv ab, und ich erwarte von einem Motionstext ebenfalls eine differenziertere Formulierung. Ganz grundsätzlich halte ich es jedenfalls für eine Ungeheuerlichkeit, dass mein harmloses Hobby, das von Millionen anderen auf diesem Planeten gepflegt wird und an das eine sehr profitable Industrie gekoppelt ist, im Nationalrat in der Diskussion über das verschärfte Strafrecht quasi im gleichen Atemzug mit Pädophilie und Kinderpornokonsum genannt wurde. Sie sollten sich vielleicht mal Gedanken darüber machen, wie viele junge WählerInnen Sie mit einem solchen Vorgehen vor den Kopf stossen.
In Ihrer Motion schreiben Sie, dass in "neueren Studien [...] ein zunehmender empirischer Zusammenhang zwischen gewalttätigem Verhalten und dem Konsum von so genannten 'Killerspielen' ausgewiesen" werde. Diese "neueren Studien" möchte ich allzu gerne einmal zu Gesicht bekommen. Nach allem, was mir bekannt ist, gibt es in der Forschung zwar gewisse Erkenntnisse über die kurz- und langfristigen Wirkungen exzessiven Computerspielkonsums auf die Psyche, aber ein Kausalzusammenhang zwischen dem Genuss solcher Games und gewalttätigem Verhalten konnte noch nicht nachgewiesen werden. Frau Allemann, ich bin durchaus in der Lage, mein Hobby auch kritisch zu betrachten. Jedem ist klar, dass der übermässige Genuss gewalthaltiger Spiele nicht gerade förderlich auf die Psyche eines Menschen wirkt, erst recht wenn beim Konsumenten eventuell bereits ein Gefährdungsrisiko besteht. Was ich Ihnen vorwerfe, ist Ihre leichtfertige Konstruktion einer Kausalität: Sie gehen davon aus, dass gewalthaltige Spiele die "Bereitschaft" zu gewalttätigen Akten "verstärken". Dies ist keinesfalls erwiesen, und die Tatsache, dass Millionen Menschen täglich solche Spiele konsumieren ohne jemals auffällig zu werden, spricht Bände. Es mag sein, dass einige problematische Jugendliche verlernt haben, zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden, doch wo liegt der Grund für diese pathologische Unfähigkeit? Sicherlich nicht bei den Medien, sicherlich nicht bei schlimmen Games, sondern da draussen, in der wirklichen Welt. Dieter Baacke, der Begründer der Medienpädagogik, drückte dies sehr eloquent aus: “Auch die medienpädagogische Debatte verweist (mit Recht) darauf, dass nicht die Medien die Verursacher sozialer Probleme sind, sondern diese im realen Erlebnisraum sich konstituieren und über Medien verstärkt, auch beeinflusst oder sonstwie mitorganisiert, aber nicht generiert werden.” Gerade von Ihnen als Sozialdemokratin erwarte ich eine erhöhte Sensibilität für die ursächlichen sozialen Faktoren aggressivitätssteigernder Verwahrlosung. Computerspiele sind in diesem Panoptikum von Integrationsschwierigkeiten, Perspektivlosigkeit, Druck in Schule, Job und Lehre, Mobbing und Familienproblemen doch nur ein winziges und eben keineswegs ursächliches Puzzlestück. Sie entscheiden sich aber, ausgerechnet dieses winzige Puzzlestück in den Fokus zu nehmen, weil dieses Vorgehen halt den Weg des geringsten Widerstands darstellt. Dies ist, gelinde gesagt, enttäuschend.
Frau Allemann, ich habe Sie nicht gewählt, um mich von Ihnen erziehen und über "korrekten" Medienkonsum unterrichten zu lassen. Mit Ihrem Tun im Parlament suggerieren Sie mir und meinen computerspielenden Freunden, dass wir im Grunde Dummköpfe sind, die tendenziell nicht zwischen Fiktion und Realität unterscheiden können und sowieso nur "Schund" konsumieren, der keinen kulturellen Schutz verdient. Bei einem Konsumenten anderer Formen fiktionaler Unterhaltung und Kunst wie Literatur oder Theater würden Sie wohl kaum von der Prämisse einer derart verqueren und pathologischen Rezeptionshaltung ausgehen, was nur zeigt, wie unglaublich arrogant Sie hier mit einem noch relativ jungen Medium umspringen. Ich jedenfalls bin ein ganz normaler Germanistikstudent, der nicht nur Goethe, Mann und Kafka liest, sondern auch gerne und oft am Computer Heere befehligt und Bösewichte erschiesst und im Übrigen gute Noten schreibt, und ich verwahre mich dagegen, von Ihnen und anderen ParlamentarierInnen unter Generalverdacht gestellt und über meine Freizeitgestaltung belehrt zu werden.
Dass ausgerechnet eine junge SP-Politikerin einem neuen Medium mit einer engstirnigen Verbots- und Repressionshaltung begegnet, ist einfach nur schockierend. Computerspiele bilden ein vollkommen selbstverständliches Element in der Freizeitgestaltung so gut wie aller jungen Menschen, die mir bekannt sind – mit einem Verbot werden Sie bei vielen Leuten, die Sie gewählt und die ihre Hoffnungen in Sie gesetzt haben, nur Kopfschütteln und Ablehnung hervorrufen. Bedenken Sie bitte auch, dass ein solches Verbot nicht einmal praktikabel ist, denn jedes Game ist über Importwege oder illegales Downloaden ganz einfach zu beschaffen. Statt also mit kurzsichtigem repressivem Aktionismus zu argumentieren und zu handeln – wie Sie es leider getan haben –, sollten Sie besser eine Diskussion über Medienkompetenz in Gang bringen. Und sich vermehrt über die wahren Gründe für aggressives Verhalten unter Jugendlichen Gedanken machen, denn ich versichere Ihnen, die Schuld liegt nicht bei irgendwelchen fiktionalen Erzeugnissen, sondern bei höchst realen Nöten und Ängsten.
Mit freundlichen Grüssen,
JR"
Überraschenderweise kam dann tatsächlich einige Wochen später eine Antwort. Diese hat mich zwar auch enttäuscht, aber allein die Tatsache, dass Frau Allemann sich Zeit genommen hat, mir zu schreiben, hat mich dann auch wieder beeindruckt (eigentlich traurig, denn das sollte eine Selbstverständlichkeit sein).
In ihrer Antwort hat sie es eher vermieden, auf meine Argumente und Fragen einzugehen. Naja. Ich habe dann noch einmal zurückgeschrieben und rechne nicht damit, dass eine weitere Antwort folgen wird:
"Sehr geehrte Frau Allemann,
dass Sie Zeit gefunden haben, auf meine Kritik ein bisschen einzugehen, hat mich überrascht und erfreut. Ich sehe schon, dass ich Sie kaum werde überzeugen können, aber immerhin haben Sie mein Mail nicht einfach ignoriert. Dafür meinen aufrichtigen Dank.
Wie gesagt, die Meinungen sind wohl gemacht, daher fasse ich mich kurz und erwähne nur einige wenige Punkte, die mir wichtig sind:
- Ihr Einsatz für ein strengeres Waffenrecht ist löblich; auch ich habe die besagte Initiative unterschrieben. Ich bin übrigens trotz meines ach so gewalttätigen Hobbys ein sehr friedlicher Zeitgenosse, habe den Militärdienst verweigert, bin Mitglied bei der GSoA und würde nie im Leben eine echte Waffe anfassen. Leider suggerieren Sie mit Ihrem gleichzeitigen "Einsatz" gegen Computerspiele, dass zwischen Waffen und Spielen eine Art Äquivalenz besteht: Ihrer Meinung nach zählen fiktionale mediale Erzeugnisse wie Computerspiele offenbar ebenso zu den "Ursachen" "grausamer Gewalt" wie real existierende und real bedrohliche Tötungswerkzeuge, also Waffen. Diese Äquivalenzbeziehung schimmert in Ihrem Mail nur sehr subtil durch, aber ich habe sie bemerkt und finde sie äusserst bedrohlich. Wie gesagt: Wenn Sie sich entscheiden, fiktionale Werke als gefährdend für mich und andere Konsumenten einzustufen, dann implizieren Sie im Grunde, dass Sie uns nicht zutrauen, zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden. Ich kann mich also im Endeffekt nur von Ihnen entmündigt fühlen und Irritation ob eines solchen parlamentarischen "Erziehungsversuchs" empfinden. Wenn Sie dagegen reale Tötungsapparaturen wie Waffen (oder auch gewisse Automobilfabrikate) als bedrohlich für mich und den Rest der Bevölkerung einstufen, dann haben Sie Recht. Ich will nicht Massnahmen zum Schutz vor Gewalt und Gefährdung gegeneinander ausspielen; ich erwarte vielmehr von Ihnen, dass Sie zwischen angebrachten und konstruktiven Massnahmen und wirkungsloser populistischer Schattenfechterei zu unterscheiden vermögen. Die Waffeninitiative ist eine intelligente und wirksame Massnahme, genau wie auch die Offroaderinitiative, aber der Kampf gegen Computerspiele ist Populismus. Dieser Populismus ist umso schädlicher, als er auf Kosten persönlicher Freiheitsrechte geht (d.h. Ihre Bemühungen beeinträchtigen meine Freiheit, meine Freizeit so zu gestalten, wie ich will). Das ist Teil einer besorgniserregenden antiliberalen Tendenz in der SP, denn Ihr aktuelles und vieldiskutiertes "Sicherheitspapier", das z.B. Videoüberwachung fordert (und wieder ein populistisches "Sicherheitsbedürfnis" gegen persönliche Freiheitsrechte ausspielt), haut in dieselbe Kerbe. Verstehen Sie denn, dass ich mich unter diesen Umständen von Ihrer Partei kaum noch vertreten fühle? Freiheits- und Persönlichkeitsrechte und Datenschutz zählen zu den wichtigsten politischen Anliegen unserer Zeit, und Ihre Partei verschläft sie! WählerInnen wie ich werden früher oder später zur "Piratenpartei" abwandern, wenn sie denn in der Schweiz auch so profiliert aufzutreten vermag wie jüngst in Schweden.
- Die Studien, die sich mit diesem Thema beschäftigen, sind recht ambivalent. Oft kommt meines Wissens nur das triviale Resultat heraus, wonach exzessiver Konsum gewalthaltiger Spiele nicht besonders gesund ist - na, wer hätte das gedacht? Andererseits spielen jeden Tag Millionen Menschen solche Spiele, ohne dass jemand ausschliesslich deswegen durchdrehen würde. Das kann man ja auch als empirische "Studie" werten, wenn man will. Übrigens: Selbst wenn gewalthaltige Computerspiele erwiesenermassen schädlich für den Konsumenten wären, würde das m.E. nicht ausreichen, um ein Verbot zu rechtfertigen. Unzählige Hobbys und Beschäftigungen, die in unserem Land nicht nur erlaubt, sondern auch in hohem Masse sozial akzeptiert sind, weisen riskante Aspekte und Gefährdungsrisiken auf.
- Ich weiss wirklich nicht, wo Sie das Unwort "Killerspiele" aus dem Mund von Gamern gehört haben wollen. Ich versichere Sie, dass niemand, der diese Spiele schätzt und kennt, sich so ausdrücken würde. Egal wie Sie weiter verfahren und egal, wie sehr Sie noch gegen dieses Medium kämpfen wollen: Bitte, bitte nehmen Sie Abstand von diesem populistischen und beleidigenden Begriff. Er gehört ohne Übertreibung zum gleichen Paradigma wie "Negermusik" oder "entartete Kunst".
Soweit meine eher assoziativen Gedanken zu Ihrem Mail. Wir werden wohl kaum einen Konsens erreichen, aber ich bin sehr froh, dass Sie sich meine Nachricht zumindest einmal durchgelesen habe. Ich wünsche Ihnen in allen Bereichen Ihrer politischen Tätigkeit ausser dem hier diskutierten viel Glück und Erfolg und verbleibe
Mit freundlichen Grüssen
JR"
Tja. Damit ist von meiner Seite leider so gut wie alles gesagt. Neue Argumente konnte ich eigentlich nicht präsentieren, aber ich hoffe, durch diesen Beitrag einen kleinen Einblick in das Denken unserer verbotsfreudigen ParlamentarierInnen vermittelt zu haben.
PS: Hallo Jörg, wie gehts? Schön Dich hier anzutreffen ;)
Julian Reidy, 16. Juli 2009
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